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Brunnenherren

Anlässlich des Brunnenfestes am Knoblauchmittwoch, dem Mittwoch nach Pfingsten, wird ein Brunnenherr gekürt. Dieser hatte ursprünglich die Reinigung des Braunsbrunnens zu überwachen. Mit Anschluss Thaldorfs an das Wasserleitungsnetz entfiel diese Aufgabe und das Amt als Brunnenherr blieb als reines Ehrenamt bestehen.

Die ersten nachweislich erwähnten Brunnenherren wurden bereits 1863 gewählt, es waren die Gebrüder Schlaf aus Querfurt. Auch im Jahre 1864 wurde im Querfurter Kreisblatt vom 21.05.1864 einem Brunnenherren (namenlos) gedankt. 1866 sind die Herren Louis Bernd und Eduard Weidig genannt. Im Jahre 1869 dankt die Gemeinde Thaldorf dem Sohn des Kreisrichters Heßler als Brunnenherr und der Meisterinnung. 1899 und 1900 waren es Brauereibesitzer Behme und Fabrikbesitzer Bergemann.

 

Ob in den folgenden Jahren Brunnenherren gewählt wurden, ist nicht bekannt. Erst im Jahr 1905 finden sie wieder Erwähnung Fabrikbesitzer Brandes ist wahrscheinlich der erste Brunnenherr im neuen (alten) Jahrhundert.

In den folgenden Jahren sind diese Personen

als Brunnenherren aufgeführt:

1906 – Landrat von Helldorff

1907 – kein Name bekannt

1908 – Gastwirt Bindel

1909 – Bäckermeister Asmus

1910 – Betriebsaufseher Jäger

1911 – Mühlenpächter Heinicke

1912 – Maschinenfabrikbesitzer Böttcher

1913 – Gastwirt Köhler (Schlossbrücke)

1914 – wurde gleich 3 Herren das Amt zuteil,

             Landrat von Krause

             Amtsrat Dr. Behm

             Buchhalter Hoffmann

In den Kriegsjahren 1915- 1918 und bis 1923 fanden keine Volksfeste am Braunsbrunnen statt, und damit auch keine Ernennung eines Brunnenherrn.

 

Die Tradition wurde im Jahr 1924 fortgesetzt.

 

Mit dem Wiesenmüller Henninger und dem Bäckermeister Stollberg übernahmen ab jetzt immer zwei Brunnenherren das Amt:

1925 – Kreisbauführer Lange, Gatswirt Thiel

1926 – Kaufmann Johannes Schlaf, Landwirt Ange

1927 – Fleischermeister Kuhnt, Aufseher Hauschild

1928 – Architekt Klinger, Gastwirt Hartmann

1929 – Einwohner Fiebelkorn und Maasche

1930 – Einwohner Straubel und Rosenstock

1931 – Einwohner Buchmann und Hildner

1932 – Landrat Hermann Wandersleb, Einwohner Göbel

1933 – Kaufmann John Peuschel, Gärtner Hartmann

1934 – Einwohner Heßlin und Flohr

1935 – Einwohner Weidlich und Teubner

1936 – Dr. Paul Weiß, Lehrer Rudi Handwerg

1937 – Einwohner Fuchs, Kreis-Oberinspektor Baltz

1938 – Ortsgruppenleiter der NSDAP Voigt, Einwohner Freund

1939 – Landrat Crewell, Einwohner Hencke

1940 – Landrat Crewell, Einwohner Hencke

1941 – Sparkasseninspektor Robert Hartmann,

              Verlagsbuchhändler Richard Jaeckel

Ab 1942 werden in alten Unterlagen keine weiteren Namen erwähnt.

 

Aus Erzählungen älterer Zeitzeugen fanden die ersten Volksfeste am Braunsbrunnen wieder im Jahr 1947 mit der Wahl eines Brunnenherren statt. Diese waren Bürgermeister Franz Nopens und Stadtrat Karl Jähne. Ihnen folgten 1948 August Fußeck und Paul Lochow. Im Jahr 1949 wurden Rolf Spitzbarth und Friedrich Schreinert gekürt.

 

Die Tradition des Brunnenfestes am Knoblauchmittwoch fand damit ihre Fortsetzung. Der Kulturbund Querfurt wählte damals in seinen Sitzungen die jeweiligen Brunnenherren. Die Brunnenfest-Kommission – Robert Hartmann, Paul Jacob, Arthur Schmidt, Otto Schumann und Rolf Spitzbarth – bestätigte diese Wahl mit ihren Unterschriften.

 

Die Brunnenherren von 1950 bis 1964:

1950 – Arno Schobes, Paul Ernst

1951 – Karl John, Otto Hildner

1952 – Walter Jacob, Fritz Thiele

1953 – Walter Jung, Willi Schellenberg

1954 – Otto Nohr, Dr. Hermann

1955 – Arno Schobes, Paul Ernst

1956 – Paul Jacob, Arthur Schmidt

1957 – Ernst Zindeler, Georg Otto

1958 – Reinhold Peuschel, Heinz Becker

1959 – keine Angaben

1960 – keine Angaben

1961 – keine Angaben

1962 – Helmut Nohr, Franz Lautenschläger

1963 – Otto Nohr, Heinz Otto

1964 – Horst Strödecke, Manfred Strempel

Leider sollte das Volksfest am Braunsbrunnen im Jahr 1964 letztmalig stattfinden. Trotz großer Bemühungen seitens der Querfurter Bürger wurde diese jahrelange Tradition von der politischen Seite Querfurts eingestellt.

 

Am Knoblauchmittwoch 1989 wurde erstmals wieder ein Brunnenherr bestimmt. Dieser hat in seiner einjährigen Amtszeit die Tradition des Brunnenfestes nach außen zu vertreten, sich für den Erhalt des Braunsbrunnens einzusetzen, einen sozialen Zweck zu fördern sowie die Pfingstburschen bei ihrer Brauchtumspflege zu unterstützen. Jeder gekürte Brunnenherr ist bei den Thaldorfer Pfingstburschen Ehrenmitglied und damit frei von allen Verpflichtungen.

Wie erfolgt nun die Wahl eines neuen Brunnenherrn?

 

In den Versammlungen der Pfingstburschen erhält jedes Mitglied des Möglichkeit Kandidaten für das Amt des Brunnenherrn vorzuschlagen. Es sollte ein bekannter und verdienter Querfurter sein. Aus den Vorschlägen ergibt sich eine Liste von Kandidaten die der Brunnenherrenkommission übergeben wird. Diese besteht aus drei gewählten Pfingstburschen und einem ehemaligen Brunnenherr. Diese Kommission sucht auf Grundlage der gemachten Vorschläge den neuen Brunnenherrn. Erklärt sich ein Kandidat bereit, bleibt dessen Name bis zur Kürung am Knoblauchmittwoch eines der am besten gehüteten Geheimnisse von Querfurt.

 

Zahlreiche Querfurter Bürger und Gäste sowie alle ehemaligen Brunnenherren versammeln sich jedes Jahr, um die Amtseinführung des neuen Brunnenherrn zu verfolgen. Begeleitet von einer Blaskapelle marschieren die Pfingstburschen am Braunsbrunnen ein. Unter dem Beifall der Anwesenden wird der neue Brunnenherr mit allen Ehren in sein neues Amt eingeführt. Er erhält von seinem Vorgänger die Amtskette mit dem Hinweis, dass er mit den Pfingstburschen „gute und schlechte Zeiten“ durchlaufen wird. Die guten sind abends - die schlechten morgens.

 

Traditionsgemäß leeren alter und neuer Brunnenherr gemeinsam mit dem Bürgermeister einen halben Liter Bier. Diesen gilt es in kürzester Zeit auszutrinken. Dabei zeigt sich, wer von den dreien der Trinkfestere ist.

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